Filmrezension: Der Plan (2011)

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Wenn alles nach Plan läuft, kann nichts schief gehen. So weit die Theorie. Welche Komponente sorgt nun dafür, dass etwas schief geht? George Nolfis »Der Plan« meint, dass es menschliche Gefühle in Form von Liebe und der Zufall seien.

David Norris (Matt Damon) geht als tragische Figur in die Politik. In ihr erhofft er sich die Aufmerksamkeit, die ihm seine verstorbene Familie nicht mehr geben kann. Als klar ist, dass er die lokalen New Yorker Wahlen (wahrscheinlich plangemäß) nicht für sich entscheiden wird, begegnet er kurz vor seiner Rede zur Wahlschlappe Elise (Emily Blunt) auf der Toilette. Ihr ist es zu verdanken, dass seine Rede im Folgenden zwar unkonventionell und für einen Politiker ungewöhnlich ehrlich vonstatten geht, aber langfristig erfolgversprechend wird. Ihr ist es ebenfalls zu verdanken, dass er seine Rolle als Politiker als nicht mehr so wichtig erachten wird.

Nun gibt es aber gewisse Menschen, die etwas gegen diese Liaison haben. Man könnte sie als die Befehlsempfänger des »Vorsitzenden« bezeichnen. Sie sorgen dafür, dass Planabweichungen vermieden werden. Das ist nötig, weil die Menschen nicht alleine für sich sorgen können. Immer, wenn man sie in der Menschheitsgeschichte auf sich allein gestellt habe, sollen Unglücke wie der Erste und Zweite Weltkrieg, der Holocaust u.ä. passiert sein. Die Berechtigung einer solchen allmächtigen Instanz und seiner Handlanger scheint also vorhanden zu sein.

Bekannterweise sind Regeln und Pläne da, um gebrochen zu worden. Insofern verwundert es nicht, dass der Zufall und Davids unerwartetes Verhalten dem Verlauf der Filmgeschichte und des Plans eine neue Richtung geben. Denn ein paar Tage nach dem Klotreffen trifft er Elise im Bus wieder. Er bekommt ihre Telefonnummer, verliert sie aber durch ein ungeplantes Treffen mit den Handlangern des Vorsitzenden. Erst drei Jahre später sieht er sie durch die regelmäßige (tägliche) Fahrt mit dem gleichen Bus, in dem sie sich einst wiedertrafen. Es ist wohl bewusst ambivalent, dass erst die planmäßige Routine dafür sorgen muss, dass ein Zufall geschieht. Die ganzen drei Jahre hatte er sie nicht vergessen - das war sein Antrieb und seine Motivation.

Die scheinbar glückliche Zeit der Zweisamkeit hält leider nicht lange an, denn was folgt, ist der wohl traurigste Moment im Film. David lässt die begeisterte Tänzerin Elise mit verstauchtem Fuß im Krankenhaus zurück, nachdem er von einem noch fieseren Schergen darüber informiert wurde, dass sie mit ihm nie eine erfolgreiche Tänzerein werden könne. Er würde, bliebe er an ihrer Seite, auch nie wieder erfolgreich in der Politik sein. Das Dilemma ist vollbracht: Bleibt er bei ihr und zerstört den Traum von beiden oder verlässt er sie, um Beiden Gutes zu tun? 

Auch wenn die Frage beantwortet scheint, ist sie nach weiteren elf Monaten wieder offen. David, der bei den aktuellen New Yorker Wahlen nun mit 16 Punkten vorne liegt, liest von der anstehenden Hochzeit der erfolgreichen Elise mit ihrem Ex.

Das wurmt ihn so sehr, dass er es nicht zulassen kann. In einer kurzen Einführung in die Tür-zu-Tür-Fortbewegung - gelehrt von einem ihm wohlgesonnenen Handlanger des Vorsitzenden - packt David es an, Elise zurückzugewinnen. Auf dem Klo - dort wo alles anfing - erklärt er ihr (nach einer hektischen Hatz) was es mit seinem Verhalten auf sich hat.

Was nun folgt, ist die weitere Flucht mit wilden Türwechseln und der Entscheidung Elises, komme was wolle an Davids Seite zu bleiben.

Der Mut Beider zahlt sich aus, denn am Ende ist es Davids Lehrmeister, der die frohe Nachricht überbringt. Dabei ist und bleibt offen, wer nun eigentlich dieser ominöse Vorsitzende ist, »für den die Menschen der normalen Welt einen anderen Namen haben« (Gedächtnisprotokollzitat).

Fazit

Die Filmmoral ist eindeutig: Halte konsequent an dem fest, wovon du überzeugt bist. Mit dieser Einstellung gelingt es dir am Ende, auch fest gefahrene Konventionen zu brechen und erfolgreich zu sein. Es scheint, solange der Antrieb kühn und unkonventionell ist, dürfen die beschrittenen Wege auch konventioneller Natur sein. Das macht Davids Handeln insgesamt sinnvoll und nachvollziehbar.

Etwas schade ist am Film, dass die gute Story, auf der der Film basiert, nicht noch weiter gesponnen wurde. Streckenweise wollte man die bösen Handlanger als Agenten von »Matrix« einordnen. Mit dem »Happy End« bleiben sie aber nur als unfähige, leicht trottelige Nichtskönner im Gedächtnis zurück. Mein Filmbegleiter vergab als Fazit ein »schlecht«, während ich mich für den Film wirklich begeistern konnte. Das lag nicht zuletzt an dem harmonischen Schauspiel von Emily Blunt und Matt Damon.

[UPDATE 15.03.2011, 09:28]

Um den Film noch nachhaltiger in meinem Kopf zu platzieren, dachte sich das Schicksal wohl, mir gestern auf dem Heimweg ein wenig »Angst« einzujagen. Denn: nachdem ich mein Handy einschaltete, war es nicht mehr Montag, der 14.03.2011, sondern Mittwoch, der 26.01.2011. Auch die Uhrzeit stimmte nicht: Es hätte etwas um 22 Uhr sein müssen, stattdessen war es 13 Uhr am Mittag. Ebenfalls erwischte ich mich, wie ich Menschen auf der Straße genauer anschaute - welche mit Hut begegneten mir aber nicht *puh*. Das saß! Auch, wenn die Musik von Cut Copy (Album: Zonoscope) vielleicht ein wenig zur Stimmung beigetragen hatte...

 

Feedback: Inception an...festgehalten - das sagt die weltweite Twitter- und deutsche Netzwelt.

Bei wohl fast jedem, der Christopher Nolan's Inception gesehen hat, ist etwas nachhaltig im Kopf geblieben. Auch nicht anders ist es bei mir. Um der Nachhaltigkeit zusätzlich Tribut zu zollen, eine kleine Sammlung von Fundstücken, v.a. Darstellungen (im weitesten Sinne), zum Film.

Franc Tausch, seines Zeichens Filmkritiker, Journalist, Sprecher und als FilmKritikTV2 bei Twitter unterwegs, hatte mir mit seiner kurzen, knappen und knackigen Kritik den Film recht schmackhaft gemacht. Damit hatte alles angefangen ;) .

 

Größte Filmdatenbank sieht Inception auf Platz 3

Die regelmäßen Benutzer der deutschen Internet Movie Datatbase (IMDb) - der größten (von Amazon) betriebene Filmdatenbank der Welt - bewerteten den Film bisher auf Platz 3, hinter Der Pate (1972) und Die Verurteilten (1994).

Imdb

http://www.imdb.de/chart/top?tt1375666

Interessant ist auch, welche Titel Inception hinter sich lässt, z.B. The Dark Knight (2008), den ich zu seiner Zeit ebenfalls großartig fand.

 

Twitter-Meinungen (chronologisch aus USA, NZ, GER)

Filmkritiktv2_kritik

http://twitter.com/FilmKritikTV2/status/18826174860

 

Ludwigw

http://twitter.com/ludwigw/status/19329049105

 

Filmkritiktv2

http://twitter.com/FilmKritikTV2/status/19558542029

 

Naii

http://twitter.com/Naii/status/19772857756

 

Ergoliner

http://twitter.com/ergoLiner/status/19786832224

 

Arainert

http://twitter.com/arainert/status/19839160559

Media_httpwwweveryday_dmnen

Eine wirklich tolle Infografik, auf die everydayUX da aufmerksam wurde. Sie stammt aus der großartigen deviantart-Community.

Der in Auckland (Neuseeland) ansässige Simon Gianoutsos fasst den Film abschließend so zusammen.

Gianouts
http://twitter.com/gianouts/status/19987543450

Punkt! (Das war mir auch einen Retweet wert.)

 

Twitternutzer weltweit geben Inception 75%

Die auf von Twitter gesendeten Tweets basierende Bewertungsmaschine fflick sieht den Film bei aktuell 75%.

Fflick-com

http://fflick.com/movie/Inception

 

Inception - ich war dabei

Am Ende noch der Beweis, dass ich wirklich drin war! :)

 

- Großartiger Film. Mehr. Davon.

Filmkritik: Up in the air - wo bin ich zu Hause?

Up_in_the_air

George (Timothy) Clooney spielt einen professionellen "Feuerer" namens Ryan Bingham. Genau, er bekommt Geld dafür, dass er Menschen von ihrem Arbeitsplatz verweist. Trotz der Brisanz, die ein Gespräch mit ihm hat, spricht er scheinbar emphatisch auf die Menschen ein. Mit charmant-seriöser Attitüde wird den Ex-Angestellten ihr Leben nach dem jetzigen bei dieser Firma versüßt.

Dabei nutzt er Standardphrasen, die auch Verkäufer bei ihrer Ausbildung gelehrt bekommen. Scheinbar ist viel Masche dahinter und wenig Herzblut. Ihm - also dem guten Ryan - scheint das in seiner Rolle egal zu sein. Er sammelt fleißig seine Flugmeilen von Kunde zu Kunde, lebt das Leben des ewig Rastlosen und Jet-Lag-iisten. Ziel seiner Reise ist die Zehn-Millionen-Marke an Flugmeilen. Denn dies bedeutet eine tolle neue Plastikkarte und ein Gespräch mit dem Captain der Airline.

Auf dem Weg dorthin merkt man aber seine Selbstbezogenheit und Ignoranz gegenüber anderen - auch seiner Familie gegenüber. Erst als es zur Hochzeit seiner Schwester kommt und er auch eine Frau mitbringt, die er halbwegs seine Freundin nennt, merkt man ein Nerven- bzw. Gefühlskostüm in ihm. Dass seine neue und sehr eifrige Mitarbeiterin und frisch gebackene Harvard-Absolventin Natalie (Anna Kendrick), die er einarbeiten soll und alles auf den Kopf stellen will, ihm nun ins Gewissen redet, ob er nicht doch etwas Ernsthaftes gefunden hätte, zeigt, wie wenig er Verantwortung haben will. Er genießt seine Freiheit!

Ein witziger und zugleich trauriger Moment ist dann wohl der Dialog zwischen ihm und Natalie, den man auch im sehr guten deutschen Trailer sieht:

Sie: Was für eine Art Beziehung ist das denn?
Er: Kennen Sie den Moment, wenn Sie einem Menschen in die Augen schauen und spüren, dass er Ihnen direkt in die Seele blickt, und die ganze Welt wird still?
Sie: Ja!
Er: Gut! Ich nicht.

Nachdem sich das Ergebnis eines Feuer-Gesprächs mit ihm - und ihr als Zuhörerin - später als fatal herausstellt, schmeißt sie ihren Job. Als sie, die an die absolute Liebe glaubte und dann doch von ihrem Freund verlassen wurde, schließlich von der Bildfläche verschwunden ist, bricht dann auch nach und nach die Liaison mit Ryans "Freundin" zusammen. Er besucht sie überraschend zu Hause und findet Vater und Kind vor. Sie hatte ihm 'was vorgespielt und predigte nun, dass er ja gewusst haben müsse, dass es nichts Ernstes sei.

Zwischenzeitlich sah er sich in seiner heilen Flugmeilenwelt gefährdet, nämlich dann als das Fliegen von seiner Firma als zu kostspielig erachtet wurde und man künftig per Video aus der Ferne feuern würde. Da dieser Wandel mit dem Kommen von besagter Natalie eingeführt wurde und nach ihrem Austritt aus der Firma wieder abgeschafft wurde, war am Ende wieder alles beim Alten.

Am Ende sagte die Stimme aus dem Off (Ryans Erzählerstimme) sinngemäß, dass er schön in der Luft segelt während die anderen auf der Erde sich im Bett umdrehen. Ryan, der dauer-beschäftigte und nimmer-satte Geschäftsmann.

Fazit

Wie das Leben an einem vorbeisegelt, wenn man nur in Arbeit steckt und wie man sich dabei überhaupt nicht einsam fühlt, zeigt der Film sehr nah dran an der Realität. Ich für meinen Teil konnte mich mit dem Charakter auch charakterlich gut arrangieren. Nicht zuletzt waren es auch diese Züge, die die letzte Beziehung meinerseits wohl nicht am Leben halten konnten.

Trotz aller Automatismen, die man als Verkäufer - ja sein Job ist damit vergleichbar - gezeigt bekommt, gibt es einen Moment, wo Ryan wirklich empathisch wirkt. Dabei geht es darum, dass sich ein jetzt Angestellter als damaliger Student für's Kochen brennend interessierte und wegen des Geldes aber diesen Traum des Koch-Seins aufgab. Die anfängliche Wut über den Rauswurf war nach Ryan's Erwähnung dieses alten Ziels wie verflogen. Das war ein starker - vor allem emotionaler - Moment.

Insgesamt ist "Up in the air" ein Film aus dem Leben. Sehr authentisch, gespielt von einem charismatischen George Clooney und einer zwar übereifrigen aber immerhin nicht eiskalten Anna Kendrick, die zeigt wie man wirklich emotional reagieren müsste, wenn man diesen Job ausführt.

Am meisten hat mich aber überrascht, wie nachdenklich der Film eigentlich erzählt wird. Ich hatte es zunächst mehr als Erfolgsfilm eines immer reisenden Geschäftsmannes verstanden. Dennoch war ich positiv überrascht. Der Wiederguck-Faktor liegt bei mindestens zwei! Meine persönliche Wertung liegt bei 96% - dem sogenanntem "heart score".

PS: Der Film ist nicht mehr so ganz taufrisch im Kopf (am 03.05.2010 gesehen!), aber durch den Trailer werden die wichtigsten Aussagen ziemlich gut wiederbelebt.

- Stats: 40 min pures Schreiben!