Feist, The Reminder (2007) im Tram-Spiel: Kritisches Musikhören im Berliner ÖPNV

Weil Feist gerade den Überhype bekommt und man nicht drumherum kommt, sie sich mal oder noch mal zu Gemüte zu führen, habe ich das mit ihrem »The Reminder« (2007) gestern Abend auf dem Weg zu einem Meeting gemacht - die Version inkl. Remixes.

Kurz-Kritik

Für die vor allem im Abendverkehr teils laute Tram ist The Reminder für den entspannten Ohrkonsum sehr brauchbar. Nicht einschläfernd, weil langsame Stücke sich mit heiteren abwechseln, eignen sich die Songs auch sehr gut zum zeitweisen Gehen ohne ÖPNV.

Was bleibt, sind gefühlvoll vorgetragene Stücke, die es mir leicht gemacht haben, verhalten nachdenklich, angehaucht optimistisch und leicht verträumt ins Meeting zu gehen.

PS / Trivia

Ihr Cover von »The Limit To Your Love« ist weicher und klingt hoffnungsvoller als das Original von James Blake.

Interessant ist, wie der Gesamteindruck vom Album kippt, wenn man sich noch die Remixes dazu einhört. Sie bilden den tanzbaren Gegenpart und animieren nun wirklich zu rhythmischen Körperschwingungen. Nur mit den Remixes ist das Album komplett!

Deine Meinung!

Was hälst du von Feist's The Reminder? Lahmer Scheiß oder beseelter Ohrbalsam für geschundene Großstadtohren?

Wenn optische Wahrnehmung zur Qual wird

Er war rechts von mir. Er sah gequetscht aus und war nicht schön anzusehen. In seiner Idealform war er frei und weniger platt, beinahe halbrund. In der jetzigen Situation war er aber gefangen, hinter durchsichtigem Glas. Jedes Strecken und Beugen nach vorne schmerzte dem Betrachter - von Ästhetik oder gar weiblicher Schönheit kann keine Rede sein. Ich saß doch einfach nur da, las mein Buch und konnte mich nicht wehren. Ich war Opfer meines Augenwinkels, den ich in seinem jetzigen Umfang gerne auf ein Minimum beschränkt hätte.

- So und nicht anders erlebt am 30.07.2010 um etwa 12:30

Wahrnehmung eines Vietnamesen

Er hieß Ahng*, war höchstwahrscheinlich vietnamischer Herkunft, klein gewachsen und irgendwas zwischen Ende 20 und Mitte 30 alt, genau kann man das nie sagen.

Während er auf Bahn in die Innenstadt wartend lauthals telefonierte, sah er eine Wespe vor sich herumfliegen. Er hob abwechselnd seine Knie, um sie in Fußballermanier zu jonglieren und es nach einem Durchlauf wieder aufzugeben.

Erkenntnis

Vietnamesen erkennt man nicht auf Anhieb (man kann sich auch nicht sicher sein, ob es welche sind), sie sehen immer viel jünger aus als sie eigentlich sind; sie sind im Vergleich zum durchschnittlichen Europäer klein gewachsen, gleichen dies aber mit ihrer Stimmlautstärke aus und können kein Fußball spielen.

Kritik

Schilderungen wie diese demonstrieren wieviele Informationen und Vorurteile in gelebten 15 Sekunden stecken.

- So und nicht anders erlebt am 30.07.2010 um 11:45, *fiktiver Name