Die Rolle des Bauhaus im Social Media Design 1/6
Im Rahmen des von Anja. C. Wagner geleiteten Design 2.0 Uni-Kurses an der HTW Berlin soll in einer sechsteiligen Serie der Frage nachgegangen werden, inwiefern das Bauhaus-Denken für modernes, zeitgemäßes Design relevant ist. Auf Grund der persönlichen Neigung des Autors wird insbesondere auf Webdesign als ein sinnvolles Beispiel für interdisziplinäres Design eingegangen. Da die Entwicklung vom ursprünglich eher technisch orientierten (Web)2.0-Begriff zu »Social Media« berücksichtigt werden muss, wird im Rahmen dieser Artikelreihe auch vom Social Media Design respektive Design 2.0 als Äquivalent zum Webdesign gesprochen.
Stilistisch sollen die Artikel ohne »ich« auskommen und in aller Sachlichkeit - wenn auch subjektiv gefärbt - dargeboten werden.
Inhalt der Serie
Dieser erste Artikel dient der Grundlagenbildung. Es werden die in diesem Kontext relevanten Begriffe geklärt und ein erstes Verständnis für die Bauhaus-Ideologie etabliert. Die folgenden Aufsätze sollen die Kompatibilität von Bauhaus-Denken und Webdesign aufgreifen. Es wird durch die Bauhaus-Brille geschaut und die Rolle des Bauhaus-Schaffenden im Social Media Design eruiert. Wie man vom Bauhaus-Programm lernen kann und welche Konsequenzen es für Design 2.0 in gesellschaftlicher, industrieller und wirtschaftlicher Weise hat, soll in die Schlussbetrachtung aufgenommen werden.
Auf Grund von kreativem Input der kollektiven Intelligenz der Cloud (der Leser ist gemeint!) per Kommentar, E-Mail, Twitter, Facebook, etc., können und sollen Ideen herangetragen werden, was im Rahmen dieser Reihe außerdem beleuchtet werden sollte. Zwar gibt es intern einen roten Faden, von diesem darf aber abgewichen werden. Insofern sind Anmerkungen, Kommentare, Ideen, Verbesserungsvorschläge und Korrekturen (mit Quellenangabe) sehr willkommen.
Was ist Bauhaus?
Da sich im Rahmen des besagten Kurses eine Arbeitsgemeinschaft zum Bauhaus-Design herausgebildet hat, soll auf das kollaborativ per Etherpad zusammengestellte Wissen zurückgegriffen werden, um dem Bauhaus-Begriff einen Hut aufzusetzen.
Demnach ist (das) Bauhaus (1919 - 1933)...
...eine einflussreiche Kunsthochschule für Architektur, Design und Kunstpädagogik.
...eine aus der Bildungsstätte hervorgegangene Stilrichtung der Kunst.
...eine der einflussreichsten (auch internationalen) Kunstströmungen.
Der deutschen Wikipedia sind die wichtigsten Vertreter zu entnehmen. Diese waren: Walter Gropius, Henry van de Velde, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Lászlo Moholy-Nagy, Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer.
Merkmale
In dem ARTE-Beitrag der Sendung »Metropolis« wurde zum 90-jährigen Jubiläum die Idee der Bauhaus-Bewegung kurzweilig geschildert:
Die wesentliche Merkmale sind also:
- »Weiße«, rationale Architektur
- Schlichtes und funktionales Design
- Anfangs (Weimar) bunt, pluralistisch, expressiv, stark experimentell; keine neue Ästhetik, sondern eine mutige Glaubensbewegung!
- Später (Dessau) reifer, rationaler und wirtschaftlicher (wie man das Bauhaus heute kennt)
- Professoren = Meister, Studenten = Gesellen
- Arbeitsgemeinschaft statt Elite-Hochschule
- Verbindung von Kunst, Handwerk und Technologie
- Modernes Denken: Kunsthochschule kooperiert mit Industrie
- Handwerklich gefertigte Objekte auf dem Niveau von industrieller Massenproduktion
- Soziales Bauen: »Volksbedarf statt Luxusbedarf«
- Endziel war der Bau (Gropius)
- Bauhaus-Philosophie ist heute allgemeingültig (geworden)
- Bauhaus ist ein Denkmodell, kein Stil!
- Freischwinger von Marcel Breuer als bekanntestes Objekt
Was ist Design?
Um nicht zu sehr in theoretische Tiefen abzutauchen, sollen im Folgenden die auffälligsten Merkmale von Design erwähnt werden. Lightweight Media erklärt den Begriff anhand einer unterhaltsamen Reise in die Geschichte der UK-Designindustrie:
Als hilfreich erweisen sich auch Matt Wards persönliche Ausführungen zum Design-Begriff. Auch die deutsche Wikipedia wartet mit einer umfassenden Begriffsklärung auf - natürlich immer mit Vorsicht und wachem Auge zu genießen. Zusammenfassen lässt sich der Begriff folgendermaßen:
Design...
...ist keine / nicht Kunst.
...ist zweckdienlich / funktional.
...ist absichtlich / problemorientiert.
...unterstützt / kommuniziert entsprechende Inhalte.
...ist die Beziehung der von Menschenhand geschaffenen Dinge und Menschen selbst.
...ist deswegen intuitiv.
...is how it feels, looks and works. (Steve Jobs)
Abschließend soll es in der Präsentation von Alan Yu etwas mehr um das Meta-Universum und die Relevanz von Design gehen:
Was ist Social Media?
Der Vollständigkeit halber soll nun auch eine gemeinsame begriffliche Basis für Social Media gefunden werden. Die Kollegen von Common Craft haben wieder mal eine gute Erklärung in einfach verständlichem Englisch produziert:
In einer appellierenden, beinahe aggressiven Art, geht Marta Kagan in ihrer Präsentation »What the f**k is Social Media?« ebenfalls dem Begriff nach und gibt gute Beispiele (und Zahlen) was Social Media ist und warum es so wichtig ist.
Die Erkenntnisse zusammengefasst, kommt man zu folgendem Schluss:
Social Media ist...
...direkt.
...ehrlich.
...dialogbasiert / braucht gute Zuhörer.
...transparent.
...authentisch.
...dynamisch / offen, aktivierend, inspirierend.
...kundenorientiert.
...web-, tool- und technologiebasiert.
...die Metapher für Mundpropaganda im Netz.
..., wenn das Soziale die Botschaft / nicht das Medium die Botschaft ist.
Was ist Social Media Design?
Agglomeriert man nun beide zuvor geklärte Begriffe in Web 2.0 gängiger Mashup-Manier soll geklärt werden, was Social Media Design neben den Industriestandards und Best Practices, die im Webdesign bereits gelten, ausmacht.
Social Media Design...
...interessiert sich für den Nutzer - im Sinne des User-Centered Design (UCD).
...kommt schnell zur Sache / lässt den Nutzer schnell und einfach etwas tun.
...unterstützt den Nutzer dabei, sich selbst auszudrücken.
...kann dynamischen Content handhaben.
...erlaubt Freunden, sich in Gruppen zusammenzufinden.
...zeigt nur relevante Informationen (Affordances).
...bietet Wege, sich mit Anderen zu verbinden.
...erleichtert die / motiviert zur Kommunikation.
...erlaubt Freunden, etwas gemeinsam zu erleben und zu teilen (Apps, Spiele, Share- und Like-Button).
Für die obige Zusammenstellung nutze ich den Artikel »Social Network Design: Examples and Best Practices« von Cameron Chapman und die Ausführung »Design 2.0 – Arbeiten in vernetzten Zusammenhängen« von Anja C. Wagner im eVideo-Projektblog.
In den nächsten Tagen wird an dieser Stelle der zweite Teil der Serie erscheinen. Wenn es keinen Input besagter Art gibt, soll es dabei um den Entwurf eines Lehrplans für Webdesigner gehen - angelehnt an den, der im Bauhaus verwandt wurde.


