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Geld verdienen im Business 2.0 - warum Bricks and Mortar wieder lebt!

Im Rahmen der onlinebasierten Zusammenarbeit im eVideo-Kurs mit verschiedenen Menschen zum Thema »Geld verdienen im Web 2.0« bestand eine Aufgabe darin, eine Top-10-Liste zu entwerfen, wie sich am besten, schnellsten und vielleicht auch am nachhaltigsten ein müder Euro verdienen lässt.

Szenario

Möchte ich im Social Media geschäftlich erfolgreich sein, geht es darum, mit meinem Konzept und der Umsetzung etwas Neues zu bieten. Ausgelutschte Ideen wären mir zuwider und unattraktiv. Der Dienst, die Plattform, oder der Service, den ich anböte, würde folgende Eigenschaften aufweisen, er wäre:

Schlank

...im Bereich des User Interface, der Funktionen und Prozesse.

Einfach

...so wie ein Satz minimal aus SPO besteht, soll auch die Web-Applikation minimal einfach sein.

Sinnvoll

Nichts ist schlimmer als nutzlose Sinnlosigkeit.

Feurig

Mindestens ein heißes Feature, an dem ich mich *verbrennen* kann, muss vorhanden sein.

Konsequent

Trotz aller Euphorie über den Einfluss, den User-Feedbacks, Kommentare, Tweets u.ä. haben können, ist es wichtig, dass der Produzent der Web-Applikation stets die Route fährt, die die Anwendung zu einem besseren Produkt macht. Dass dabei Kunden auf der Strecke bleiben, ist das alltägliche Risiko bei der Evolution von Software.

Vorab

http://www.flickr.com/photos/missshellie/4764185299/

Ein Ansatz, den ich aus REWORK der 37signals entnehme und der für mich als Generalregel gilt, ist sinngemäß folgender:

  • Lerne von bereits Etablierten (Wettbewerbern), vergiss sie wieder und folge dann deinem eigenen Gespür - Copycats sind für den Allerwertesten!

Die pragmatische Top-10-Liste wie man im Social Web Geld verdient

Weil sich Bullet-Points auf Deutsch einfach nicht knackig lesen lassen, führe ich die folgenden Punkte Englisch aus. Jeder Top-10-Punkt ist dabei ein eigener Komplex, der aus vielen Unterpunkten bestehen kann.

1) Focus on your passion

  • Find your niche.
  • Find your topic.
  • Find something you're passionate about.

2) Caring first, cp. [Vay11, p.9f.]

  • Start conversations and join them!
  • Keep your business in the background.
  • Proof your expertise by answering questions.
  • Establish relationships.
  • Make them really like you _NOT_ by pushing only the LIKE button.
  • Make them trust you.
  • Use your »grandfather's DNA«.

2.1) Create something longlasting and helpful

3) »Speak your customer's language« [Vay11, p.233]

4) »Build a sense of community around your brand« [Vay11, p.233]

5) Diversify

  • Expand your topic's focus in a long term.

6) Be patient

  • The faster you grow, the faster you fall - so take your time!

7) Produce!

  • Create content and products around your content.
  • Do not rely on ads only, see 8).

8) Use ad banners in a smart way or avoid them

  • Nobody likes them, but everybodys knows that we need them.

9) Merge traditional and social media business, cp. [Vay11, p.234]

  • Social Media does not replace traditional business, it enhances it

10) Surprise your clients and customers + Stay hungry!

Lesson Learned

Ladengeschäfte (sog. »Bricks and Mortar«) hängen nicht direkt mit dem Social Web zusammen. Vielmehr geht es darum, die Idee und das Ökosystem eines traditionellen Ladengeschäfts aufzugreifen. Wie in Punkt 2 (»grandfather's DNA«) erwähnt, ist es heute _wieder_ wichtig, die Menschen 1:1 zu sehen. Persönliche Bindungen sind wieder wichtig, wie uns das das in Punkt 3 erwähnte http://www.cluetrain.com/" title="The Cluetrain Manifesto">Cluetrain Manifesto mit auf den Weg gibt. Beziehungen formen des Web und heutzutage eben das Social Web.

Desöfteren kommt mir in Sinn, dass das Web begrifflich mit dem deutschen »Weben« oder Flechten (man möge mich lynchen, dass ich den Unterschied nicht kenne) verbunden werden kann. Diese Assoziation macht noch deutlicher, dass es ein Prozess ist, der im Web passiert und seine Zeit dauert. Genau wie Beziehungen sich über Jahre festigen, tun es eben auch Cyber-Links.

Quellen

[Vay11] Gary Vaynerchuk, »The Thank You Economy«, 2011

Warum Frauenfußball so attraktiv geworden ist

Sacha Höchstetter für den Playboy Juli 2011

Vom letzten Auftritt der Frauen im Spiel gegen die Norwegerinnen war ich schon ziemlich beeindruckt. Deshalb möchte ich basierend auf dieser Erfahrung die Debatte über »Männerfußball vs. Frauenfußball« für mich selbst beantworten und auflösen.

Das ist mir positiv aufgefallen:

  • Die Frauen sind schneller geworden.
  • Professionalität ist anzusehen.
  • Sie sind bissiger geworden.
  • Die jungen Spielerinnen machen wie auch bei den Männern den Unterschied - wahrscheinlich der guten Nachwuchsarbeit geschuldet.
  • Die Frauen sind ungemein erfolgreich.
  • Die Entwicklung im Frauenfußball ist enorm.
  • Zuschauen macht Spaß und steckt an.
  • Die Abwechslung macht's - im Sinne von Gleichberechtigung u.ä. ist es nur konsequent, dass auch Frauen diesem Sport frönen.
  • Wir (Männer) können von den Frauen lernen.

Schneller geworden

Das gesamte Spieltempo erschien zwei, drei Takte schneller als ich es vor etwa zwei Jahren mal gesehen hatte.

Professionalität

Einher mit dem Spieltempo konnte ich feststellen, dass die Abläufe und Zuspiele wesentlich akkurater und flotter vonstatten gingen. Hier hat sich einiges getan!

Bissigkeit

Kampfgeist und der Wille zu siegen, war den deutschen Spielerinnen deutlich anzusehen - zumindest in der Zeit von der 79. Minute bis zum Ende.

Junger Nachwuchs

Was die »jungen Wilden« bei Michael Ballack geschafft haben bzw. vom DFB forciert wurde (oder wie auch immer), wird auch bei den Frauen passieren. Die Jungen geben den Ton an, während die »Alten« in jedem Spiel aufs Neue um ihren Platz in der Mannschaft kämpfen müssen.

Ungemein erfolgreich

  • Weltmeister: 2003 und 2007
  • Europameister: 1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005 und 2009
  • Olympische Sommerspiele: jeweils Bronze 2000, 2004 und 2008

Enorme Entwicklung

Nicht nur, dass ich selbst die Attraktivität des DFB-Frauenfußballs nicht mehr leugnen kann, auch scheinen mir gängig Clichés einfach nicht mehr zeitgemäß. Männer, Bier und Fußball ist als DIE Kombination schlechthin dermaßen archaisch gedacht, dass mir dieser intolerante Blick ganz widerlich aufstößt.

Frauenfußball ist aktuell und spiegelt wider was in der (v.a. wirtschaftlichen) Gesellschaft passiert - eine Stärkung der Frauen (wenn auch z.B. durch eine explizite Frauenquote).

Mir persönlich gefällt es, gegen Frauen auf dem Fußballplatz zu stehen und gegen- oder miteinander zu spielen. In der 1990er Jahren, als ich den Großteil meiner Freizeit auf dem Bolzplatz verbrachte, war das noch undenkbar.

Zuschauen macht Spaß und steckt an

Es sind immer die Tore, an denen man als Fußballer und Fußballerin gemessen wird. Insofern kann ich nur meine ernsthaft große Freude darüber ausdrücken, wie gut die drei Tore gegen Norwegen anzusehen waren. Für eine Frau mit Hummeln im Allerwertesten und dem Drang, Sport zu treiben und professionell in einen Verein zu gehen, kann das die Entscheidung dazu beflügeln.

Die DFB-Frauen machen also vor, wie guter, aktueller und professioneller Fußball aussehen kann. Wie die DFB-Männer sind sie Vorbilder für die heranwachsende Generation und verbreiten den Virus, den man so schnell nicht los wird.

Die Abwechslung macht's

Wie öde ein Länderspiel der Männer sein kann, wissen wir. Klar: Seit der der WM 2010 in Südafrika, ist das Niveau nochmals gestiegen. Dennoch gibt es dröge Spiele, bei denen die Einsatzbereitschaft bei allen Spielern so hoch ist, wie die eines Lukas Podolski aktuell im Nationalelf-Dress.

Umso schöner ist's, wenn man den Frauen zuschauen kann, wie sie mit Elan, Spielfreude und (manchmal ein klein wenig) Unbeholfenheit (dennoch charmant) den Platz als ihre persönliche Spielwiese auserkiesen.

Von den Frauen lernen

Was mir besonders imponierte war die Ausdauer und Geduld, die vor allem die jungen Spielerinnen bewiesen. Es musste erst die 79. Minute kommen, als das erste Tor fiel. Einige Minuten später war das Spiel entscheiden (3:0).

Diese Besonnenheit nehme ich mit als Lesson Learned. Sie würde dem einen oder anderen Fußballmann auch gut zu Gesicht stehen.

Fazit

Ein Hoch auf die Frauen und eine erfolgreiche Verteidigung des WM-Titels!

    Socialnomics im Business 2.0 - bitte was?

    Im ersten Teil meines Fazits möchte ich die Erkenntnisse aus der Arbeit mit der AG »Socialnomics« festhalten. Inhaltlich werde ich dabei größtenteils auf die Abschlusspräsentation am 30.04.11 an der HTW Berlin eingehen.

    Was war das Thema?

    Socialnomics - also einfach gesagt die ökonomischen Aspekte im sozialen Kontext. Man könnte es auch als Social Business bezeichnen.

    Als Einführung in das Thema möchte ich das recht pathetische Video »Social Media Revolution 2011« von Eric Qualman nahelegen.

    Was waren die Fragestellungen?

    1. Begriffsklärung - Hintergrund, verschiedene Standpunkte, Eure Interpretation
    2. Inwiefern lässt sich der Begriff auf Eure aktuelle AG-Arbeit überführen? (Herausforderungen, Eure Lösungsansätze, konkretes Vorgehen)
    3. Wo seht Ihr Ansatzpunkte, Euren Begriff mit Business 2.0 zu verbinden?
    4. Welche zentralen Fragestellungen lassen sich von diesen Schnittstellen ableiten?
    5. Mit welchen Themen könnten/sollten sich die nächsten AGs beschäftigen?

    Nicht ganz strikt arbeiteten wir die Fragen ab. Stattdessen bildeten wir Kompetenzbereiche, in denen sich eine Person austoben sollte. Diese lauteten immer in Bezug zu Social Media:

    • Definition
    • Personalmanagement
    • Unternehmensinterne Weiterbildung (Videofeature, das nicht transkribiert werden soll)
    • Organisationsstruktur
    • Chancengleichheit
    • Work-Life-Balance
    • Marketing

    Erst im zweiten Schritt bezogen wir uns - jeder für sich - auf die einzelnen Fragen.

    Was war das Ziel?

    Wie bei eVideo-Kursen üblich, ist der Weg das Ziel. Sprich: Anja Wagner (Kreative Leiterin der Weiterbildungskurse) lässt offen, wohin es für uns geht. Allerdings gibt sie uns mit unterstützende Fragestellungen und agiert damit als Facilitator.

    Der Output der AG

    Vorweg möchte ich auf die zusammenfassende Präsentation in Scribd hinweisen. Sie dient als Zusammenfassung der sogleich dagestellten Inhalte - in grober Form.

    http://www.scribd.com/doc/54268001/Socialnomics

    Was ist Socialnomics?

    In Bezugnahme auf Erik Qualmans »Socialnomics« geht es bei Socialnomics darum, wie Social Media unsere Art zu leben und Business zu machen ändert.

    Wie Socialnomics unser Leben ändert

    • Ende der Schizophrenie - man ist also eindeutig!
    • Beginn des Bragadonien-Effekts »Look at me, look at me.«
    • Ende der Glashausgesellschaft

    Wie Socialnomics unser Business ändert

    • Sharable-Tendenz: Austausch, der Mehrwert generieren wird
    • Sharing hießt nicht mehr Teilen, sondern der Umgang mit knappen Ressourcen

    Social Media und Personalmanagement

    • Personalbeschaffung über Suchmaschinensoftware und Social Media Xing, Facebook, Twitter & Co.
    • Offene Bewerbungsrunden über Facebook organisiert, z.B. Starbucks
    • Talent Communities: Talent Pool mit internen Mitarbeiten und externen Bewerbern, die Informationen in einer Art Personalakte festlegt, z.B. Global Talent GatewayOxendo (das erweiterte Xing)
    Social Media und Organisationsstrukturen
    Virtuelle Teamarbeit...
    • ...geschieht, ohne dass wir es merken (z.B. Facebook-Posts, die bereits eine Arbeitsleistung darstellen)
    • ...funktioniert asynchron (z.B. Google Doc)
    • ...passiert nicht mehr in einem Raum (praktisch kann JedeR von jedem Ort arbeiten)
    • ...lässt hohen Mobilitätsgrad zu
    Organisationsstrukturen und -formen
    • Creative Membership Communities, in denen soziale Beziehungen Teil des Geschäftsmodells werden (z.B. das TED-Konferenznetzwerk, Coworking Spaces, Social Bar Berlin)
    Hierarchien
    • These: »Hierarchien in Unternehmen haben keinen Einfluss auf die Onlinekollaboration.« (These)
    Fragen, die offen geblieben sind
    • Wie sieht das Führungsmodell in kollaborativen Netzwerken und Teams aus?
    • Welche Organisationsformen und Geschäftsmodelle bieten sich im Business 2.0 an?
    • Wie kann Onlinekollaboration (v.a. von Erwachsenen) in Unternehmen erlernt werden? Was sind Katalysatoren dafür?
    Social Media und Chancengleichheit

    Social Media und...
    • ...Chancengleichheit
    • ...Diversity
    • ...Gender
    These:
    »Das Web 2.0 fördert die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.«

    These:
    »Das Web 2.0 erzeugt aber auch neue (technische) Barrieren.« (z.B. Captchas, Videos ohne Untertitel)

    These:
    »Das Web 2.0 relativiert Gender-Stereotypen.«

    Frage:
    Unterstützt das Web 2.0 die Umsetzung von Gender- und Diversity-Aspekten?

    Social Media und Work-Life-Balance (WLB)

    • Work-Life-Balance (WLB) ist total individuell - kein Patentrezept
    • Faktisch ist WLB tot!
      • man spricht auch von Profersional
    • WLB im Social Media heißt auch, dass man 24/7 planen muss
      • Social Media kostet viel Zeit
    • WLB muss einmal etabliert werden und immer wieder angepasst werden
      • WLB ist nicht konstant

    Social Media und Marketing

    Hierbei wurden meiner Meinung nach sehr gute Thesen angebracht, die hier in aller Gänze ausgeführt werden sollen.

    #1:
    Aus Unternehmenssicht steht am Anfang von Social Media die Erkenntnis, dass die Revolution eine Revolution der Kommunikation – nicht eine Revolution der Unternehmen ist. (sinngemäß, vgl. Paul Greenberg, 2011)

    #2:
    Für die Kommunikation im Social Web ergibt sich daraus eine Konsequenz:
    »Wenn ich in der realen Welt nix zu sagen haben, dann habe ich auch im Social Media nix zu sagen - so einfach ist das.« (Mirko Lange 2011)

    #3:
    Auf Business 2.0 übertragen müssen Unternehmen verstehen, dass das, was als »Socialnomics« bezeichnet wird, einen einschneidenden sozioökonomischen Wandel beschreibt. (vgl. Eric Qualman, 2010)

    #4 (Fazit):
    No give, no get.

    Es geht im Business 2.0 also nicht in erster Linie um den rein ökonomischen Ansatz - sprich den Austausch von Leistung-Gegenleistung.

    Vielmehr geht es um die Schritte, die davor passieren müssen und die letztlich alle auf einem großen Zauberwort aufbauen: VERTRAUEN.

    Um Geschäfte im Social Web zu machen, braucht man Vertrauen. Vertrauen braucht Dialog. Dialog braucht Transparenz, Authentizität und relevante Inhalte - und Partner auf Augenhöhe. Nicht Kunden, die Könige sein wollen.

    Als Beispiel wurde das auch finanziell erfolgreiche Projekt »Willkommen Wolf« vom NABU genannt. Einem Online-Redakteur vom NABU konnte unser AG-Mitglied dann noch die Frage stellen:

    »Welche strategischen Fragestellungen waren in der Anfangsphase wesentlich?«

    und bekam folgende Antwort:

    »Die Hauptaufgabe ist es, alle an einem Thema Interessierten zusammenzubringen, fachlich richtig zu informieren und langfristig zu Unterstützende zu Aktiven zu machen.«

    Wunderschöne Worte zum Ende des Vortrags! ☻

    Im zweiten Teil meines Fazits soll es um die Ergebnisse gehen, die wir als AG »Geld verdienen« herausfinden konnten.

    Aufgabe als Mittel zum Erfolg

    Mir fällt öfter auf, dass ich eine Aufgabe erst dann gelöst bekomme, wenn ich sie bereits aufgegeben habe. Es scheint mir, dass sich Körper und Geist beim Aufgeben dermaßen entspannen und Problemlösungsreserven entsprechend freisetzen. Cool! :)

    Nicht Muss, sondern Mach!

    Als damalige Übung in der HTW Winteruni, ein Wort aus dem Leben zu verbannen, kam ich darauf, Muss durch Mach zu ersetzen.

    Wenn ich mir nun überlege, wie oft ich Sachen machen muss, ist das Streichen des Wortes aus dem persönlichen Vokabular nicht nur großer, sondern auch wichtiger Schritt. Durch das Weglassen geht man an jede Muss-Arbeit anders ran - entschiedener, bejahender. Man tut sie einfach, ohne eine negative Muss-Konnotations-Gabel mitschwingen zu lassen.

    Potenziell kann das schon ein ganzes Leben ändern, bilde ich mir ein! Statt etwas gezwungen machen zu müssen, drückt man es mit einem freiwilligen Mach so aus. Man sollte sich nur klar machen, wie oft das Muss Einzug in die Alltagssprache gefunden hat. Kein gutes Zeichen, wie ich finde!

    Subtrahiert man nun alle Muss-Aktivitäten, sollte das Leben automatisch lebenswerter erscheinen. Ganz so einfach scheint es nicht zu sein, denn manche Verpflichtungen haben (!) zu sein.

    - Überlegungen aus der Kiste, welche auch immer.

    Die Rolle des Bauhaus im Social Media Design 6/6: Trends und Lessons Learned

    Der sechste und letzte Artikel der Reihe soll ein Gesamtfazit darstellen und dabei Trends und Lessons Learned herauskristallisieren. Als Einstieg sollen die bisherigen Artikel kurz zusammengefasst werden.

    Der erste Artikel...

    ...legte die Grundlagen, indem das Verständnis für Bauhaus, Design, Social Media und Social Media Design in Form von Definitionen und Merkmalen etabliert wurde.

    Der zweite Artikel...

    ...befasste sich mit dem Versuch, einen Lehrplan für Webdesigner aufzubauen, der sich am Bauhaus-Programm orientierte.

    Der dritte Artikel...

    ...behandelte das aktuelle bzw. nicht mehr aktuelle Buzz-Thema »Design Thinking«. Der Prozess wurde ausführlich beschrieben, um ihn anschließend auf seine Vereinbarkeit mit dem Bauhaus und Social Media zu prüfen.

    Der vierte Artikel...

    ...stellte die Frage wie (handwerklich) anspruchsvoll Webdesign tatsächlich ist bzw. inwiefern ein handwerklicher Anspruch überhaupt gegeben ist. Dabei wurden die bauhäuslichen Prinzipien mit denen des Webdesign abgeglichen. Außerdem wurde der Begriff des »greifbaren Codes« ein- und ausgeführt.

    Der fünfte Artikel...

    ...war im Wesentlichen ein Manifest - das erste SOCIAL MEDIA DESIGN MANIFEST. In 25 Thesen / Hypothesen / Theorien wurde für Webentwickler (von Copy und Content) eine theoretische Sammlung von aktuellen Paradigmen im Social Web und Social Media verlautbart.

    Der sechste Artikel...

    ...wird nun alle Artikel rückblickend betrachten, teilweise wiederholen und den folgenden abschließenden Fragen nachgehen:

    • Was kann Social Media Design (SMD) vom Bauhaus lernen?
    • Welche Aspekte von Social Media wären für das Bauhaus nützlich gewesen?
    • Wie sieht die Zukunft von Webdesign im Post-Bauhaus-Zeitalter aus?

    Außerdem soll der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen das erlangte Wissen für Design 2.0 in gesellschaftlicher, industrieller und wirtschaftlicher Weise hat.

    Was kann SMD vom Bauhaus lernen?

    Im Wesentlichen kann Social Media Design vom Bauhaus lernen:

    • Dinge müssen funktionieren.
    • Gebaute Angebote und Werke sind (nicht) für Jedermann.
    • Gebaute Angebote und Werke entstehen, weil sie gebraucht werden.
    • Individualismus trotz Massenfertigungstechniken.
    • Einfache Handhabung.
    • Vereinigung (konvergieren) statt Vereinsamung.

    Dinge müssen funktionieren

    Dies sollte die allererste Prämisse sein. Aktuelle Ausfälle wie die von Amazons Cloud Computing Service müssen also vermieden werden, auch wenn Services wie Flavors.me trotz Ausfall ihres Services verlautbaren, verständnisvolle Kunden - zu haben...wenn auch nicht alle.

    Gebaute Angebote und Werke sind (nicht) für Jedermann

    Trotz des Anspruchs des Web (»Zugang für Jeden«) und des Bauhauses (eine »Lebensangelegenheit des ganzen Volkes«), von der Allgemeinheit (Jedem) erreichbar zu sein, lehrt uns das bisher Erfahrene, dass Social Media besonders von der Differenzierung des Jedermann und dessen Anspruch lebt. Spezialangebote (Nischen) sind die Folge. Fraglich bleibt, inwiefern z.B. das Phänomen Facebook als ein solch beschriebenes Angebot gezählt werden kann, weil es vielmehr als Infrastruktur (etwas großes Ganzes) für Nischenangebote dient, statt als dedizierter Social Media Service gesehen zu werden.

    Gebaute Angebote und Werke entstehen, weil sie gebraucht werden

    Statt Angebote zu bauen, die keinem echten Bedarf entspringen und nur der Sache selbst willen entstehen (»l‘art pour l‘art«), sollen sinnhafte und notwendige Angebote entstehen.

    Individualismus trotz Massenfertigungstechniken

    Trotz der Gleichheit, die aktuelle Angebote wie Facebook, Twitter, Netvibes, Mixxt, besagtes Flavors.me u.ä. bieten, muss Raum für individuelle Ausprägungen gegeben sein. Web und Social Media leben von der Vielfalt und der besagten Nische.

    Einfache Handhabung

    Es muss klar erkennbar sein, was mit diesem und jenen Werkzeug und Tool zu machen ist - siehe auch Affordances (Don Norman).

    Vereinigung (konvergieren) statt Vereinsamung

    Beinahe trivial zu erwähnen ist die Mentalität der interdisziplinären Kooperation und Kollaboration, die von Walter Gropius & Co. angestrebt wurde. Trivial deswegen, weil bereits vor einigen Jahren Web-Angebote à la Google Maps (2005), Flickr (2004) u.ä. mit ihren offenen APIs eine klare Mashup-Mentalität aufweisen bzw. Angebote wie Yahoo Pipes (2007) Oberflächen zur Generierung von eigenen Mashups bereitstellen. Da die konvergierende Zusammenarbeit nicht nur eine Stärke des Bauhauses ist, diese folglich bereits Anwendung im Social Media findet, soll dieser Aspekt last but not least erwähnt werden.

    Welche Aspekte von Social Media wären für das Bauhaus nützlich gewesen?

    Interessant und relevant wäre fürs Bauhaus gewesen:

    • Über die Stärke zu wissen, die Menschen im Social Web gemeinsam aufbauen können.
    • Die Emanzipation des Otto Normalbürgers (»Wutbürgers«) via Social Media / Die Rückkehr der (aus)gelebten Demokratie.

    Gemeinsame Stärke von Menschen im Social Web

    Nicht durch Experten, sondern durch eine große Masse an Bürgern wie du und ich konnte z.B. Nestlé dazu bewegt werden, Palmöl nicht länger aus dem indonesischen Regenwald nutzen - jenem Wald, in dem der Orang-Utan sein Zuhause findet und durch dessen Abbau sein Existenzaus drohte.

    Emanzipation des Normalbürgers / Rückkehr der Demokratie

    Die Schlagzeilen zu WikiLeaks dahingestellt, dient es als gutes Beispiel, in dem der einfache (brave) Bürger plötzlich auf Augenhöhe mit Unternehmen und Staatsregierungen steht und ihnen Paroli bieten kann. Besagter Bürger kann dadurch souveräner und selbstbewusster auftreten, denn Wissen bedeutet (trotz allmählichen Schwunds wegen derartiger Plattformen) Macht. Insofern ist WikiLeaks eine der bekannten Plattformen, die dem Volk die Macht (Demokratie) zurückgibt.

    Wie sieht die Zukunft von Webdesign im Post-Bauhaus-Zeitalter aus?

    Nachfolgend soll verfasst werden, welche Schwerpunkte das Webdesign zukünftig ausmachen:

    • Bionik / Biomimikry
    • 3D
    • Der Browser & native Browser-Technologien

    Bionik / Biomimikry

    Webdesign ist heute bereits greifbar und ahmt Elemente der analogen Welt, z.B. Holztexturen, Bedienelemente, Buttons u.ä., nach. Es wird morgen noch stärker die analoge Realität ausdrücken und imitieren.

    3D

    Was gerade (wieder) in der Filmbranche hinsichtlich des 3D-Erlebnisses passiert und auch in Spielkonsolen à la Nintendo 3DS Einzug hält, findet bereits marginal auch schon im Webdesign statt. Youtube bietet seit 2009 bereits eine 3D-Funktion - mit Brille. Jacqueline Thomas (Web Design Ledger) sieht diesen Trend in Form von »Parallax Scrolling« und »Depth Perception«.

    Der Browser & native Browser-Technologien

    Multimediale Fähigkeiten (v.a. Video) ist dank HTML5 nun nicht mehr länger auf Flash-Technologie beschränkt. Zusammen mit CSS3 und JavaScript wird der Browser mehr und mehr zu der Applikation schlechthin. Ähnliches meint wohl Google auch mit seinem Chrome OS.

    Fazit

    Es bleibt spannend im Feld des Web- und Social-Media-Design (Design 2.0). Mit der pragmatischen Bauhausbrille wurde auf aktuelles Design fürs Web geschaut und versucht, Parallelen zu finden. Was klar wird, ist die offensichtliche Kompatibilität beider Bereiche - Bauhaus und SMD sind kompatibel zueinander.

    Gesellschaftspolitisch kann Design 2.0 helfen, Projekte wie WikiLeaks noch stärker zu machen und dank eines intelligenten Mixes aus Design und Content mehr Menschen davon überzeugen, sich in Gesellschaft und Politik zu engagieren bzw. zur Mündigkeit zurückzufinden.

    Industriell wird es die Aufgabe von Design 2.0 sein, dem Web eine größere Einladungsmentalität zu verleihen, also andere Industrien (gemäß Design Thinking) einzubinden statt auszuschließen.

    Wirtschaftlich ist Design 2.0 wohl ein Wachstumsmarkt, dessen Bedarf immer größer wird. Doch statt nur Design im klassischen Sinne zu betreiben, werden mehr und mehr technische Anforderungen an den Webdesigner gestellt - siehe Bauhaus-Lehrplan. Dies ist auch der Grund warum man von einem Webentwickler sprechen sollte.

    In jedem Fall ist für Kontinuität gesorgt - das Web wird nicht aussterben. Als eine von vielen Anwendungen des Internets ist es mit seiner neuesten Erweiterung namens Social Media auf dem Weg in die richtige Richtung. Jene, welche den Menschen im Zentrum sieht (HCD), die ihn umgebende belebte und unbelebte Natur allerdings nicht außer Acht lässt (DT).

    Weiter so!

    Re-Today - Life In Photographs, inspired by Jonathan Harris

    My VISUAL MIXTAPE 2011 @Flickr

    From today (Easter monday 2011) on, the upper set will be filled with one new photograph each night (CET) - for one year, 365 days.

    The motivation

    As Jonathan Harris also states this is to appreciate the little moments in life more intensively. You can see this project as a visual mixtape for pictures.

    Credits as credit is due

    This is Jonathan's project which mine originated from. I initially found »Today« via German Karrierebibel.

    Die Rolle des Bauhaus im Social Media Design 5/6: Das Social Media Design Manifest [beta]

    http://www.flickr.com/photos/gabrielcabral/3922818632/

    Im vorletzten Artikel dieser Reihe soll sich in theoretischer Manier an einem »Social Media Design Manifest« versucht werden. Offensichtliche Inspirationen sind:

    • das Bauhaus-Manifest von Walter Gropius [1]
    • das »Cluetrain-Manifest« von u.a. David Weinberger auf Deutsch [2]
    • das »Cluetrain-Manifest« bei Wikipedia erklärt [3]
    • das »Manifest für Agile Softwareentwicklung« von u.a. Ward Cunningham [4]
    • »Getting Real« von 37signals [5]
    • »Rework« von 37signals [6]
    • »A manifesto for natural web design« von Leonardo Boiko [7]
    • »Web 2.0 - Eine Einführung« von Anja C. Wagner [8]
    • die zuvor verfassten Artikel dieser Reihe von Alexander Kluge [9]

    Das Cluetrain-Manifest wird als Social Media Manifest verstanden, da es trotz seines Alters (1999) ziemlich gut die bilaterale Beziehung im heranwachsenden Social Web und den Paradigmenwechsel vom passiven Konsumenten zum pro-aktiven Prosumenten (Konsument und Produzent in einer Person) bzw. Produzenten beschreibt.

    Was ist ein Manifest?

    Die deutsche Wikipedia erklärt ein Manifest als:

    [...] eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten [...].

    Der Begriff stamme gemäß Wikipedia aus dem Lateinischen »manifestus« und meine »handgreiflich gemacht«.

    Sinn des Manifests

    Ziel dieses Manifests ist, grobe Richtlinien für die Erstellung von Social Media Content und Social Media Design Content (Copy und Code) zu definieren. Die Motivation hierfür lag darin, dass es Derartiges aktuell noch nicht gab und gibt.

    Es richtet sich primär an Web-Entwickler bzw. (technische und ästhetisch ausgerichtete) Social Media Designer, die das Social Web in aller Theorie inhaltlich und funktional verstehen wollen, um adäquate Social Media Anwendungen zu produzieren.

    Bestandteile des Manifests

    Im Namen stecken die Begriffe »Social Media« und »Design« (ästhetisch und technisch). Folglich müssen die Bedürfnisse beider Begriffe berücksichtigt werden.

    Formal soll das Manifest in 25 Thesen dargeboten werden, da es damit einfach verständlich und übersichtlich bleibt. Um den menschlichen (sprich: sozio-kulturellen [8, S. 39]) Bezug klar zu machen, wird im Folgenden auch vom Social Web gesprochen.

    Das Manifest

    1. Das Social Web besteht aus Menschen, nicht Nutzern.
    2. Das Social Web lebt von Text: Er ist der größte gemeinsame Nenner, auf den sich alle Menschen einigen können. Ohne Text kein Web.
    3. Text und Inhalt ist Interface. [10]
    4. Das Social Web ist barrierearm und für Jeden zugänglich. Es lädt ein, nicht aus. [11]
    5. Javascript, Flash, Bilder und Videos sind Optionen, kein Muss. Es MUSS auch ohne sie gehen - progressive enhancement und graceful degradation. [12]
    6. Form follows function (fff) - erst Struktur und Funktion, dann Form und Ästhetik.
    7. Social Media ist nicht (nur) Facebook. Es ist demokratisch, dezentral und nicht kontrollierbar.
    8. Das Social Web lebt von sozialer Interaktion - digitale Räume werden zu taktilen realen Räumen (augmented reality).
    9. Das Social Web ist ein globales Gespräch mit viel Rauschen - JedeR hat etwas zu sagen. Der Gebrauch von Filtern ist unerlässlich - mehr denn je.
    10. Das Social Web ist redundant. In keinem Raum wird so viel Unnützes veröffentlicht. Denkt vor der Veröffentlichung nach und stoppt Belanglosigkeiten.
    11. Im Social Web gilt akuter denn je: You (rather) never get a second chance for first impression.
    12. Das Social Web liebt die Freiheit und freie Auswahl. Ist ein Angebot gestorben, folgt das Nächste.
    13. Das Social Web möchte Geschichten erzählen und erzählt bekommen.
    14. Individuen und Interaktionen werden mehr geschätzt als anonyme Unternehmen, Prozesse und Werkzeuge.
    15. Agile Zusammenarbeit und das Reagieren auf Veränderung bedeutet mehr als das Befolgen formal festgehaltener Pläne oder Prozesse.
    16. Dynamische (user generated) Inhalte sind das Kernelement der Interaktion im Social Web. Social Media Designer berücksichtigen dies. [9, 1/6]
    17. Das Social Web bringt geografische ferne Menschen zusammen und verschafft ihnen ein inniges Gefühl von Nähe.
    18. Das Social Web lebt von Heterogenität und entsprechendem Input. Jegliche Tendenzen von Gleichschaltung sind dessen Tod.
    19. Das Social Web fördert Selbstorganisation. Es ändert den kompletten Tages- und Lebensablauf, da es tiefgreifend in die Arbeits- und Zeitstruktur eines Jeden eingreift.
    20. Das (Social) Web arbeitet nicht »just in time«, sondern nach einem asynchronen »wann ich kann«.
    21. Das Social Web fördert die Selbstentscheidung. Wann ich am Produktivsten bin, entscheidet mein Biorhythmus und ich. »9 to 5« ist obsolet und wird zu einem »12 to 20« oder »0 to 8« oder oder oder.
    22. Das Social Web ist die Welt, in der Geben und Nehmen, sowie »Share and Care« tatsächlich funktioniert.
    23. Im Social Web werden Produkte authentisch und greifbarer (beinahe personifiziert), weil man mit echten Menschen des jeweiligen Unternehmens in unmittelbaren Kontakt gerät. [9, 1/6]
    24. Das Social Web ist insofern zeitsensitiv, als dass bei bilateralem Feedback gilt: Je früher, desto besser. Aber auch: Je qualitativ hochwertiger, desto nachhaltiger. Denn schließlich gilt auch hier: Viel hilft nicht viel.
    25. Das Social Web ist nicht per se ein Massenmarkt. Es ist potentiell eine Ansammlung von Nischenmärkten mit dem »Long Tail« als Zielgruppe. Nicht jede Anwendung im Social Media ist für Jeden - gut so! Es lebe die Vielfalt!

    Kommentare, Ergänzungen, sowie Lob und Kritik jeglicher Art werden gerne in Empfang genommen.

    *happy social webbing*

    Buchempfehlung

    Ben Shneiderman, 2002, »Leonardo's Laptop: Human Needs and the New Computing Technologies«

    Literatur

    [1] http://www.uni-stuttgart.de/kg1/mitarbeiter/people/personal_downloadindex/overdick/GropiusI.pdf

    [2] http://www.cluetrain.com/auf-deutsch.html

    [3] http://de.wikipedia.org/wiki/Cluetrain-Manifest

    [4] http://agilemanifesto.org/iso/de/, http://emilychang.com/2006/02/the-agile-web-design-manifesto-an-introduction/

    [5] http://gettingreal.37signals.com/toc.php

    [6] http://37signals.com/rework/

    [7] http://namakajiri.net/writings/webdesign-manifesto.html

    [8] https://docs.google.com/present/view?id=dq7qdhz_407f2x32tdb

    [9] http://blog.alexkluge.de/tag/design20

    [10] http://www.useit.com/alertbox/twitter-iterations.html

    [11] http://books.google.com/books?id=zyRh2eWRCtkC&lpg=PP1&dq=leonardos%20laptop&hl=de&pg=PA15#v=onepage&q&f=false

    [12] http://accessites.org/site/2007/02/graceful-degradation-progressive-enhancement/

    Photograph: Smiling Paprika - it's having real fun!

    It makes you smile and laugh, too! :)

    Die Rolle des Bauhaus im Social Media Design 4/6: Der handwerkliche Anspruch im Webdesign

    Nachdem im letzten Beitrag stark theoretisch die Problematik von Design Thinking im Bauhaus-Kontext eruiert wurde, soll es im vierten Teil dieser Reihe etwas praktischer zugehen.

    Inspiriert vom Bauhaus-Manifest [GRO 18], dem Philosophie-Beitrag von ARTE zur »Berührung« [ENT 10] sowie der Aussage »[...] aspects of doing the work by hand somehow make it a little bit more personal and organic.« von Shepard Fairey im Podcast von gestalten.tv [FAI 11] soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Webdesign einen handwerklichen Anspruch hat.

    Anders gefragt: Wie viel »Bauen« steckt im Webdesign?

    Der Hauptunterschied zwischen Bauenden des Bauhaus und Webdesignern besteht wohl darin, dass Erstere mit greifbarer Materie zu Werke gehen und Letztere mit abstraktem Code Vorlieb nehmen müssen.

    Zieht man sich Gropius‘ Manifest zu Gemüte, fällt auf, dass im Bauhaus Kunst nicht das Ziel sei. Vielmehr sollte sich auf das Handwerk besonnen werden und Kunst darauf aufbauend etabliert werden. Daraus kann geschlossen werden, dass Webdesigner sich zunächst auf den stabilen Bau konzentrieren sollten, um anschließend und schließlich einen künstlerischen Anspruch geltend machen zu können.

    Sprich: Ohne ein handwerklich sauberes Fundament gibt es keine Basis für Kunst. Auf die Praxis bezogen heißt das, dass zunächst eine wohlgeformte und valide HTML-Struktur gebaut wird, um anschließend Layout, Ästhetik (CSS) und Verhalten (JavaScript) hinzuzufügen. Letztere Beschreibung ist ein gängiges Paradigma im Webdesign.

    Was ist der handwerkliche Anspruch eines Webdesigners?

    Typische handwerkliche Interaktionen im Webdesign finden von Finger zu Tastatur sowie von der Hand zur Maus statt. Diese Art von handwerklichem Anspruch kann wohl nicht gemeint sein.

    Geht man einen Schritt zurück, um sich die Prinzipien des Bauhauses anzuschauen, stößt man auf die Ausführungen von Mr. Simon Collison [COL 10]. Er wirft einen Bauhaus-Blick auf das heutige Web (März 2010).

    Laut Collison gibt es fünf Prinzipien, die im heutigen Webdesign greifen:

    • »Acknowledge the machine«
    • »Standardise Production«
    • »Encourage experimentation and synthesis«
    • »Form follows function«
    • »Economy and simplicity«

    Acknowledge the machine

    Gemeint ist der Vorteil der Maschinennutzung, unsere Ideen und Inhalte in Massenproduktion herzustellen. Die Grenzen liegen dabei im ästhetischen Sinn, die die Maschine von Hause aus nicht mitbringt. Insofern sind auch die Eigenheiten und Einschränkungen zu akzeptieren und zu berücksichtigen. Nicht vergessen werden darf der individuelle Charakter (Stil), der im Bauhaus trotz maschineller Massenproduktion für das ganze Volk (vgl. [GRO 18]), stets wichtig war.

    Standardise Production

    Nicht nur in der werkstofflichen Bau-Produktion sind Standards vonnöten. Anders als in den Gefilden von industriellen DIN-Normen leben Webstandards von Organisationen wie dem W3C, Arbeitsgruppen wie der WHATWG, Zusammenschlüssen wie »The Web Standards Project«, kleineren Initiativen wie die deutschen »Webkrauts« sowie Kickstarts (z.B. HTML5 Boilerplate), Best Practices (z.B. der »CSS Sticky Footer« von Ryan Fait oder der »CSS reset« von Eric Meyer) und Frameworks (z.B. jQuery) von einzelnen oder mehreren (lose zusammenarbeitenden) Individuen.

    Die Vielzahl von Elementen drückt aus, worum es im Web und Webdesign geht: JedeR trägt etwas demütig bei, ohne dass eine große Instanz führt, den Ton angibt und sich in den Vordergrund spielt. Das Web ist die Summe seiner Elemente. Letztere ergeben sich aus praktischen Erkenntnissen, Reviews, Bilanzen und Iterationen.

    Encourage experimentation and synthesis

    Neben der Weiterentwicklung ist es natürlich auch nötig, bestehende Konventionen zu hinterfragen. Insofern ist das Experimentieren und Zusammenführen im Webdesign auch in Zukunft höchst wünschenswert. Entwicklungen wie AJAX, RSS und Mash-ups demonstrieren dies eindrucksvoll.

    Form follows function

    Auch wenn dekorative und ornamentale Formen die User Experience (UX) bereichern, stehen sie bei Entwicklung von Webseiten doch nicht an erster Stelle. Nie würde in diesem Kontext die funktionale Komponente aufgrund von beeindruckenden optischen »Erweiterungen« benachteiligt werden. Collison [COL 10] formuliert es so:

    The modernists admired steel water towers, and we admire beautifully crafted JavaScript function for their simple integrity.

    Economy and simplicity

    Einfach und ökonomisch soll eine Webseite von heute daherkommen. Einfach bedeutet, dass jeder Besucher angenehm und im besten Fall mit Freude mit der Webseite interagiert. Ökonomisch ist sie als Kommunikationsinstrument, weil man mit relativ geringem Mitteleinsatz in der Lage ist, Botschaften effizient, verständlich und anschaulich zu vermitteln.

     

    Dies waren nur fünf von vielene anderen denkbaren Handwerksassoziationen in Bezug zum Webdesign. Im Folgenden soll eine selbst erdachte handwerkliche Herangehensweise genauer betrachtet werden: »Greifbarer Code« (»Tangible Code«).

    Wie sieht also greifbarer Code aus?

    Nehmen wir als Beispiel die Struktur eines einfachen HTML-Dokuments. Bekannterweise baut sich ein solches Dokument aus Schlüsselwörtern («Tag«) zusammen. Die folgende Liste zeigt dies auf einfache Weise:

    html

    – head

    –– title

    –– meta

    –– link

    – body

    –– div

    ––– section

    ––– header

    –– footer

    /html

    Auf die schließenden Tags wurde der Einfachheit halber verzichtet - mit Ausnahme von »/html«. Je länger der Strich »–«, desto tiefer die Verschachtelung in der HTML-Hierarchie.

    So oder so ähnlich könnte greifbares Programmieren ablaufen

    Eine formbare Masse (z.B. Lehm oder Ton) wird benötigt, in die man per Hand bzw. mit einem Objekt, das in der Hand liegt, drücken kann. Je nachdem wie tief man drückt - hier ist Fingerspitzengefühl gefragt - landet man tiefer in der Hierarchie der besagten HTML-Struktur.

    Um dem jeweiligen Element in der Hierarchie einen Namen zu geben, werden vorproduzierte »Stempelartige« zu Rate gezogen. Letztere sind dann mit HTML, HEAD, BODY usw. bedruckt (bzw. eingestanzt). Da auch individuelle Variablennamen u.ä. möglich sein müssen, gibt es auch eine sinnvolle Auswahl an Einzelbuchstaben und Zeichen des kompletten UTF8-Zeichensatzes (+ 1.000.000).

    Die Stempelartigen sind deshalb wichtig, weil sie von Lesemaschinen erfasst werden müssen - später beim Lesen bzw. Parsen des greifen HTML-Codes. Dies erfordert eine gewisse Standardisierung bei der Zeichendarstellung.

    Positiv ist in dem Zusammenhang, dass der Code - zumindest strukturell - auch von blinden Menschen gelesen werden kann. Insofern handelt es sich um ein Derivat des bekannten Braille-Systems - ein Prinzip, bei dem Blinde durch Erhöhungen und Vertiefungen einer Oberfläche Texte lesen. Für die Beschriftung der Elemente per Stempelartige müsste man - um die Blinden nicht zu überfordern - wohl auf die klassische Brailleschrift setzen.

    Für nichtblinde Menschen sieht man in der Frontalansicht der obigen Abbildung, dass auch mit Hilfe von Farbcodes gearbeitet werden kann. Je nach Tiefe in der Hierarchie (Struktur) wird der Farbton dunkler (gen #000).

    Die Grautöne stellen aber auch die visuelle Tiefe dar (bezogen auf eine vor Einem liegende formbare Masse), die für jede Hierarchieebene benötigt wird, z.B. ist das HTML-Tag auf der obersten Ebene - also direkt auf der Oberfläche der Masse. Das TITLE-Tag hingegen ist zwei Hierarchiestufen darunter - also zwei Nuancen dunkler.

     

    Für das Erlernen von z.B. HTML kann das Prinzip des greifbaren Codes nützlich sein. Er bedeutet »direkten Kontakt«, »Unmittelbarkeit, Nähe, ohne das Vermittlung nötig wäre« [ENT 10]. Statt eine Entfernung zu überwinden (vgl. [ENT 10]), wie es beim Schauen auf den Monitor und die Eingabe über Maus und Tastatur geschieht (Entfernung in dem Sinne, weil die Eingabe an einem anderen Ort als die Ausgabe stattfindet), wirken Ein- und Ausgaben am gleichen Ort.

    Die Interaktion - also das Zusammenspiel von Ein- und Ausgaben - garantiert sofortiges Feedback: Drücke ich die formbare Masse mit den Stempelartigen, verformt sich diese bestimmte Stelle ohne Verzögerung. Webdesign kann also auch, setzt man die interdisziplinäre Brille auf, mit handwerklichen Mitteln gelöst werden - auch wenn der Aufwand hierfür ungemein höher wäre.

    Als Anregung inwiefern Handwerk und Webdesign nicht miteinander zu vereinen sind, soll der folgende Abschnitt dienen.

    Die Inkompatibilität von Handwerk (Realität) und Webdesign

    Collison [COL 10] führt in seinem subjektiv gefärbten Artikel aus, dass Screendesign nicht der Realität entspricht:

    This is not a reality. We’re creating a fake environment.

    Als Beispiel nennt er die Unmöglichkeit, eine Tasse Tee auf einem vertikalen Computerbildschirm zu platzieren, auch wenn es derlei Abbildungen zu Genüge im Screendesign gibt. Daraus ergibt sich das folgende Fazit: Das Bauhaus-Handwerk ist Realität, analog, greifbar und handwerklich - es wird mit der Hand angepackt. Webdesign ist (im besten Fall) Realitätsnachahmung, abstrakt, binär, digital - man arbeitet pixelbasiert.

    Weitere (In)Kompatibilitäten sollen im letzten Artikel dieser Reihe aufgegriffen werden. Insofern ist dieser Abschnitt als Denkanstoß gedacht.

    Gibt es Perspektiven, die hinsichtlich des handwerklichen Anspruchs im Webdesign nicht betrachtet wurden? Wenn ja, dann wären Kommentare, Tweets, u.ä. sehr willkommen.

    Literatur

    [COL 10] Simon Collison (2010), Bauhaus Ideology and the Future of Web Design => http://colly.com/comments/bauhaus_ideology_and_the_future_of_web_design/

    [ENT 10] Raphaël Enthoven und Clara da Silva (2010), Arte »Philosophie« zum Thema »Berührung« => http://videos.arte.tv/de/videos/philosophie_beruehrung-3489832.html

    [FAI 11] Shepard Fairey (2011), gestalten.tv => http://www.gestalten.tv/motion/shepard-fairey

    [GRO 18] Bauhaus-Manifest (1918), Walter Gropius => http://www.uni-stuttgart.de/kg1/mitarbeiter/people/personal_downloadindex/overdick/GropiusI.pdf